Es gibt sie in Barcelona und Paris, in Berlin und London – unter verschiedenen Namen. Sogar Wien hat ein „Supergrätzl“. Aber: Was genau ist, was kann und was bringt ein Superblock den Menschen, die darin leben?

ERKLÄRER: Philipp Schober
Entwurf Schrägluftgrafik: Anna Janßens & Gabor Röser

Superblocks sind in aller Munde. Aber: Längst nicht jeder, längst nicht jede, der oder die „Superblock“ sagt, weiß, wofür der Begriff tatsächlich steht. Barcelona, Berlin und Paris haben einige. In Wien ist Ende Jänner das erste „Supergrätzl“ fertig geworden. An Universitäten wird weltweit zum Thema geforscht – und an der TU Wien gab es vor kurzem eine Entwurfsübung zur Weiterentwicklung der baulichen Strukturen. (Die Schrägluftgrafik oben ist ein Ergebnis davon.)

Aber trotzdem: Was genau ist so ein Superblock eigentlich? Wofür steht der Begriff? Woher kommt er, was können oder bringen Superblocks? Der DRAHTESEL will mit einem Q&A-Beitrag, also einem Frage-&-Antwort-Artikel, die Basics erklären. Damit man wirklich mitreden kann.

Was ist ein Superblock?

Ein Superblock ist ein verkehrsberuhigtes Stadtviertel, in dem der öffentliche Straßenraum neu und gerecht verteilt wird. Mehrere Häuserblocks – meist ein Gebiet von etwa 400 mal 400 Metern – werden zu einem größeren Block, eben einem „Superblock“ zusammengefasst.

Woher kommt das Konzept?

Der Name kommt aus Barcelona. Anfang der 2000er-Jahre litt die Stadt unter der enorm hohen Bevölkerungsdichte, einem Mangel an Grünraum und gesundheitsgefährdenden Schadstoff- und Lärmbelastungen durch den Kfz-Verkehr. Im bestehenden, rasterförmigen Straßensystem gab es kaum Hierarchien, im Sinne von priorisierten oder benachrangten Strukturen: Der Autoverkehr dröhnte gleichmäßig in alle Richtungen durch die Wohnviertel.

Was sind die Vorteile von Superblocks?

Der Kfz-Durchfahrtsverkehr bleibt auf den Hauptstraßen. Autos können innerhalb des Superblocks lediglich zu- und abfahren. Der Platz innerhalb wird für Menschen zu Fuß und auf dem Rad sicher und attraktiv gestaltet. Die Zahl der Parkplätze innerhalb des Viertels wird reduziert, dadurch entstehen Aufenthaltsbereiche und Spielplätze. Flächen werden entsiegelt, Grünraum und Wasserflächen geschaffen, Bäume gepflanzt.

… und speziell für den Radverkehr?

Durch die Verkehrsberuhigung des Superblocks ergeben sich neue Räume und Platz für den Radverkehr sowie ein deutlich höheres Sicherheitsgefühl. Fahrradstraßen, Einbahnöffnungen und ähnliche Maßnahmen werden möglich. Untersuchungen aus London – dort heißen Superblocks „Low Traffic Neighbourhoods“ – zeigen eine signifikante Zunahme des Radverkehrs.

Wo gibt es schon Superblocks?

Das Potential dieses Konzepts wurde international schnell erkannt – und umgesetzt: In Zürich heißen sie „Quartierblock“, in Berlin „Kiezblocks“, in Hamburg „Superbüttel“. Alle Varianten verbinden lokale Bedürfnisse und Expertise mit international bewährten Planungsprinzipien in der Siedlungsentwicklung.

… und in Österreich?

In Wien-Favoriten ist gerade das erste „Supergrätzl“ fertig geworden. Pläne für viele weitere gibt es bereits. Bewohnerinnen und Bewohner vieler Stadtviertel fordern seit Jahren eine flächige, schnelle Umsetzung. Diese könnten auch schnell und temporär erfolgen – andere Städte zeigen es vor: Zuerst werden einfache, schnell umsetzbare Maßnahmen zur Kfz-Verkehrsberuhigung getroffen. Danach kommt die bauliche Umgestaltung.

Was bewirkt ein Superblock?

Daniel Löschenbrand

Daniel Löschenbrand, TU Wien, ließ Studierende Superblocks mit Fokus auf die „Erdgeschoßzone“ entwerfen.
(Foto: Christoph Kleinsasser)

Neben verkehrstechnischen gibt es auch städtebauliche Veränderungen, erklärt Daniel Löschenbrand, Projektassistent am Institut für Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen der TU Wien. Der Architekt hat im Rahmen einer Lehrveranstaltung im Sommersemester 2025 Studierenden-Teams mit dem Entwerfen von Superblocks beauftragt. Besonders die Erdgeschosszone als Schnittpunkt zwischen öffentlichem Straßenraum und privater Nutzung stand da im Fokus. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Weniger Verkehr und weniger Stellplätze machen die sogenannte „Erdgeschoßzone“ sicht- und erreichbarer – und damit auch als Geschäfts-, Interaktions- und Aufenthaltszone attraktiv.

Funktionieren Superblocks in jeder Stadt?

Laut Löschenbrand kann das Superblock-Konzept in jeder Stadt angewendet werden. Entscheidend ist die lokale Stadtstruktur, also die Zusammensetzung von Straßennetz, Bebauungsform und (Wohn)Dichte. Eine kompakte, dichte Stadtstruktur wie in Wien innerhalb des Gürtels erfordert andere Ansätze als etwa weitere Bereiche wie die Donaustadt, Atzgersdorf oder der Stadtrand in Währing oder Döbling.

Gibt es auch Nachteile?

Funktionierende, lebendige Viertel bedingen einen wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung. Das ist prinzipiell gut. Allerdings erhöht genau das oft auch den Druck auf weniger privilegierte oder einkommensschwache Gruppen – sowohl was Geschäfts- als auch Wohnungsmieten angeht: Hier genau hinzusehen ist eine zentrale Aufgabe für Politik und Stadtplanung.

Mehr über Superblocks:
radlobby.at/superblocks