Eine große daheim, eine kleine am Rahmen: So war das immer schon. Doch die kleine Rahmenpumpe wird immer öfter von elektrischen Hosentaschenformat-Pumpen ersetzt. Und einige sind richtig gut.

TEXT & FOTOS: Tom Rottenberg
EXPERTISE: Die Mechaniker von „2rad Dorfinger“ (Mario Braun, Christian
Dorfinger
, Christian Klima und Konstantinos Bouzas, am Foto zu sehen)

Der Rennradler am Straßenrand staunte: „Die Dinger gibt’s wirklich? Ich kenne sie bisher nur aus Instagram-Werbespots – und denen misstrau’ ich.“ Zwei Minuten später war er bekehrt: „Wow, so hart hätte ich den Reifen per Hand nie bekommen!“ Am liebsten, sah man dem Mann an, hätte er das Teil behalten. Doch es gehörte – ganz klar – der Rad-Samariterin, die ihn gerettet hatte, als er – verzweifelnd – versucht hatte, mit seiner Rahmenpumpe das nach einer Panne reparierte Vorderrad mehr als provisorisch aufzupumpen: „Vielleicht geht’s so besser“, hatte sie gesagt – und lässig in ihre Trikottasche gegriffen.

Der Quader in ihrer Hand war halb so groß wie ein Zigarettenpackerl. Steckte in einer Silikonhülle – und hatte eine ringförmige Erhebung. Die Frau fragte, „wie viel Druck willst du?“, schob die Ring-Öffnung aufs Ventil – und drückte auf einen Knopf. Eineinhalb Minuten später schaltete sich der kleine Kompressor automatisch ab: Das Display zeigte, dass die – vorher eingestellten – 6,5 Bar erreicht waren. „Vorsicht, das Ventil ist brennheiß!“, warnte die Helferin. Sie steckte die Pumpe ein und verschwand bald am Horizont.

Wer in der „Pampa“ je eine Reifenpanne hatte, weiß: Das wahre Problem ist da oft weniger das Wechseln (oder Flicken) eines Schlauches als das Wiederaufpumpen. Denn viele mobile, leichte Rahmenpumpen sind schlicht unbrauchbar. Je kleiner, leichter und kompakter die Pumpe und je praller oder voluminöser der Reifen, umso eher wird es mühsam. Ausnahmen gibt es, aber ihr Handling ist, speziell wenn der Reifen knackig-hart werden soll, dennoch oft „tricky“.

CO2-Kartuschen? Sondermüll!

Plan B ist auch nicht zufriedenstellend: Ja, mit CO2-Kartuschen bekommt man jeden Reifen auf Granithärte (oder zum Platzen). Doch die handlichen kleinen Druckbehälter sind das Gegenteil von nachhaltig: Sie sind Einweg-Sondermüll. Einmal „angestochen“ lässt sich der Zylinder nicht wieder verschließen – egal, wie (halb)voll er noch ist. Dosieren? Ein Glücksspiel. Und Ventilaufsätze mit Druckanzeige sind rar, klobig und groß.

Kein Wunder, dass immer mehr Radfahrende zu kleinen und handlichen Elektropumpen greifen, die in Trikot-, Hosen- oder Werkzeugtasche passen – und seit gut einem Jahr alle Social-Media-Kanäle fluten. Geladen werden sie via USB-Kabel. Anbieter gibt es etliche, doch die meist aus China stammenden Geräte sehen einander trotz unterschiedlicher Namen frappant ähnlich. Sie funktionieren auch gleich. Jeder Hersteller hat zumindest ein kleines Modell ohne und ein etwas größeres mit Display im Programm: Display-Modelle können Druck messen und schalten, ist der Ziel-Druck erreicht, automatisch ab.

Wie oft man wie viele Reifen mit einer Batterieladung wie hart bekommt? Das hängt nicht nur vom Gerät, sondern auch von Reifendruck und -dimensionen ab. Weniger als drei volle Rennradreifen-Füllungen sind aber unwahrscheinlich. So gut wie alle Geräte kommen mit einem kurzen Schlauch, um Auto- („Shrader“-), klassische („Dunlop-“) oder Renn- („Presta“)-Ventile anzustecken. Oft liegen auch Adapter für Bälle und Luftmatratzen bei. Die neue Norm („Schwalbe Click Valve“) lässt sich meist nachrüsten.

So praktisch E-Pumpen sind, raten die Mechaniker des Floridsdorfer Rad-Hauses Dorfinger doch, ein paar Details zu beachten. Erstens: Die Dinger sind laut – und werden heiß. Die Kautschukhülle, die vielen Pumpen beiliegt, schützt das Gerät vor Feuchtigkeit – und die Finger vor Verbrennungen.

Nichts Kantiges direkt am Körper!

Zweitens: Wer PTU-Schläuche fährt, sollte den Adapterschlauch verwenden: Alu-Ventile könnten schmelzen.

Drittens: Die Pumpen gehören in Sattel- oder andere Taschen: Am Rücken oder am Oberschenkel kann das kantige Ding Verletzungen verursachen.

Und: Wer der Batterie-Ausdauer nicht traut, nimmt eine kleine Handpumpe mit, pumpt damit vor – und verwendet fürs präzise „Finish“ einen Kompressor mit Display.

Testergebnisse

CO2-Patronen, verschiedene Hersteller
Praktisch, aber Einweg-Sondermüll

CO2-PatronenKeine Frage: Reifen mit einer CO2-Patrone aufzupumpen, ist bequem und schnell. Patrone samt Adapter, ansetzen – und „pffft“. Der Haken: Die Dinger sind, einmal angestochen, verbraucht – die Kapseln Sondermüll. Und: Wer mit dem Flieger verreist darf auch im deklarierten Sportgepäck maximal zwei mitnehmen.
Fachhandel, ab 3,00 €

Cycplus AS 2 Tiny
Das Einsteigergerät

Cycplus AS 2 TinyKlein und superleicht (97 Gramm – weniger als zwei CO2-Kartuschen und eine Kleinst-Handpumpe mit Adapter): die „Tiny“ des 2014 gegründeten China-Labels Cycplus definiert die Mindestanforderung an eine E-Pumpe. Sie funktioniert, wer Druck messen oder exakt aufpumpen will, wird das eingesparte Display aber bald vermissen.
cycplus.com, ab 74,93 €

Silca Electrico Micro
Solide und verlässlich

Silca Electrico MicroAuch Silcas „Micro“ verzichtet aus Gewichts- und Platzgründen auf ein Display – auch hier gibt es die „große Schwester“ mit Anzeige. Aber 111 Gramm (Micro), kompaktes Trikottaschenformat, solide Verbauung und rasche Ladezeit (25 Minuten) für den Saft für mindestens drei pralle Straßen-Rennrad-Reifen und Auto-Stop bei 72 PSI sind durchaus Assets.
Veletage, 139 €

Rockbros AS 1 Pro
Wie viel darf oder soll denn rein?

Rockbros AS 1 ProDruckanzeige und Voreinstellen-Können des Zieldruckes sind, einmal ausprobiert, Gamechanger. Für 120 PSI (8 bar) braucht die Pumpe zwischen 50 und 170 Sekunden. Das primär online aktive China-Label punktet beim Preis: Support, Garantie und Service sind bei solchen Anbietern Glückssache. Nicht viel, aber doch größer als displaylose Geräte.
rockbrosbike.de, 81,99 €

Topeak E-Booster Digital
Ventilwechsel – und mehr „Bumms“

Topeak E-Booster DigitalSechs Reifen schafft das Kraftpaket laut Hersteller. Überprüfbar waren satte Verarbeitung – und geringere Lärmentwicklung. Plus: Man kann am Gerät zwischen Schrader- und Prestaventilen umschalten, das schlägt sich aber in Größe und Gewicht (162 g) nieder. Heiß werden alle – explizit zum Griff zum (beiliegenden) Verlängerungschlauch rät aber nur Topeak.
topeak.com, 99,95 €