Sie sind günstig und funktional – und mittlerweile fast auf der ganzen Welt angekommen: City-Leihräder. Bei Städtetrips sind sie die perfekte Wahl, zeigt der Test in Straßburg, Hamburg und Utrecht.

PROBEFAHRTEN & FOTOS: Isabel Westenberger & Rene Niederhuber

Leihrad-Station in New YorkLeihrad-Station in Shanghai

Eine neue Stadt zu erleben bedeutet nicht nur vom Eiffelturm zu blicken oder über den Ku’damm zu spazieren. Es bedeutet nicht nur, eine Crepe Suzette oder Currywurst zu probieren. Es bedeutet, die Stadt mit allen Sinnen wahrzunehmen, die Stadt zu sehen, zu hören und zu riechen. Eine Stadt per Rad zu erkunden, bietet all das – und ist dabei deutlich flexibler als jeder Hop-on-hopoff- Bus.

Zehn Millionen Bikes

Die stimmigste Alternative zur Mitnahme des eigenen Rads sind lokale, kostengünstige Bike-Sharing-Systeme, die es mittlerweile in unzähligen Städten gibt: Laut der „Meddin Bike Sharing World Map“ waren zum Jahresende 2025 exakt 10.028.174 Fahrräder über 2.145 Leihrad-Systeme in rund 1.700 Städten in 92 Ländern verfügbar: Alle zu beschreiben ist da wohl unmöglich.

Leihrad-Station in Tel Aviv

Urbaner Leihrad-Trend in 1.700 Städten. Hier: Stationen in New York, Shanghai und Tel Aviv
(Fotos: Rottenberg)

Exemplarisch zeigen aber die Leihrad-Erfahrungen einer Europa-Interrail-Reise nach Hamburg, Utrecht und Straßburg die Eigenheiten oder Besonderheiten dieser schlauen, günstigen und gut funktionierenden Möglichkeit, fremde Städte zu erleben.

Wer sich über die Systeme vorher informiert, ist vor Ort entspannter unterwegs. Nicht nur in puncto Kosten: Mancherorts gibt es – teils automatisch angewandte – Dauer- oder Kombitarife. In manchen Städten ist eine Rad-Rückgabe nur exakt an der Abholstation möglich: Bei einem Regenschauer oder einem Mix von Öffi- und Radnutzung zeigen flexiblere Systeme da deutlich ihre Vorteile.

Und nicht jedes System ist tatsächlich für Reisende geeignet: So kann man sich im System der Niederländischen Bahn ausschließlich mit lokaler Adresse und Bankkonto registrieren. Ein „Plan B“ sollte daher schon bei der Unterkunftssuche mitgedacht werden: Viele Hotels bieten Leihräder an, manche sogar kostenlos – nicht nur in den Niederlanden.

Den Flow wirken lassen

Apropos Niederlande: Dort kann Radfahren sehr ungewohnt sein, da die gängigen Leihräder oft nur Rücktrittbremsen haben. Und: Die Radverkehrs-Massen sind schier überwältigend. Darum: Die ersten 15 Minuten betont entspannt angehen – und ein Gefühl für den lokalen „Flow“ entwickeln.

Zum entspannten Fahren trägt zudem bei, Routen am Handy abrufbar zu haben. Über Open-Ear-Kopfhörer hört man die Ansagen, ohne vom Verkehr abgeschnitten zu sein.

Besondere Erlebnisse garantieren geführte Radtouren. Nicht nur, um Geschichte und Geschichten über Reeperbahn, Hafen oder Grachten zu hören, sondern auch, um anzukommen und ein lokales Rad-Gefühl zu entwickeln, bevor man allein losfährt.

3 Städte im Vergleich

Hamburg StadtRAD

mit Leihrad in Hamburg

Wer Hamburg erkundet, findet mit Google Maps ziemlich gut zum Ziel.

Dichte

Innenstadt-Station in 5-10 Min erreichbar; Randbezirke geschätzt 15 Minuten Fußweg
aktuell ca. 3.900 Räder und 50 Lastenpedelecs

Fahrradqualität  

7-Gang-Schaltung; Bremshebel am Lenker; komfortabel

Fahrradmodelle  

Citybikes; E-Lastenpedelecs

Leihsystem

  • Per App
  • Kreditkarte notwendig
  • Rückgabe an einer der Stationen im Stadtgebiet
Schwächen

  • Keine physisch fixierten Plätze pro Rad an den Leihstationen, daher hochfrequentierte Stationen
  • sehr chaotisch
Stärken

  • Hohe Verfügbarkeit besonders bei den Öffi-Stationen
  • gut sichtbare Stationen und genauer Standort in App
Besonderheiten

  • Ab mehrfacher Tages-Nutzung automatisch günstiger Tagestarif
  • LED-Anzeige für schnelle Sichtbarkeit der Verfügbarkeit
App & Betreiber

StadtRAD Hamburg – stadtrad.hamburg.de

Kosten

  • 0,10 Euro pro Minute
  • 9 Euro am Tag
  • vorab Reservierung möglich
Fazit

Viele neue Radwege, einige Mehrzweckstreifen, dafür sehr breit. Bauliche Trennung mit Ampelschaltung vermehrt umgesetzt, mehrere Fahrradstraßen vorhanden. Radfahren in Parks teilweise erlaubt. Zur Navigation empfiehlt sich Google Maps (Radwege genau eingezeichnet).

 
Geführte Stadtradfahrten
hamburg-radtour.de

Strasburg Vélhop

mit Leihrad in Strasburg

Wer mehrmals täglich fährt, bekommt in Strasbourg den günstigsten Tarif.

Dichte

39 Stationen 24/7 Selbstbedienung; 1 Station mit Personal/Bedienung

Fahrradqualität  

3-7 Gänge; Bremshebel am Lenker; komfortabel

Fahrradmodelle  

Citybikes an allen Stationen; Hauptstation: Lastenradvielfalt (mit Rollstuhlmöglichkeit, Familienlastenrad, Cargo, Fahrradtaxi, Plattformrad); E-Bikes; Laufrad; Longtail; Kinderfahrrad; Klapprad; Dreirad; Tandem

Leihsystem

  • Per App oder Hauptstandort „Agence“
  • Registrierung und Kreditkarte notwendig
  • Das Rad muss am Abholpunkt retourniert werden.
Schwächen

  • Rundlaufsystem
Stärken

  • Stationen überdacht / wettergeschützt
  • genauer Standort in der App sichtbar / Koordinaten
Besonderheiten

  • Ab mehrfacher Nutzung an einem Tag automatisch günstiger Tagestarif
  • Hauptstandort mit Bedienung (Öffnungszeiten beachten)
  • Vielfältige Auswahl an unterschiedlichsten Radmodellen zu fairen Konditionen
App & Betreiber

Velhop Strasbourg – velhop.strasbourg.eu

Kosten

  • 1,20 Euro pro Stunde
  • 7 Euro pro Tag
Fazit

Gut beschilderte Radwege; Leitung uber verkehrsarme Routen, wenn Radweg nicht vorhanden; das Radfahren ist sehr entspannt möglich, durch überdachte Velhop-Station bekommt man auch bei Regenwetter ein trockenes Rad. Zur Navigation empfiehlt sich Mapy.cz

 

Utrecht OV-fiets

mit Leihrad in Utrecht

So allein wie hier rollt man in Utrecht selten, man hat den „Flow“ aber rasch heraus.

Dichte

Stationen per Fuß teilweise 15 Minuten entfernt, nah an ÖPNV-Stationen
ca. 1.300 Räder auf 14 Stationen

Fahrradqualität  

Keine Schaltung; Rücktrittbremse

Fahrradmodelle  

Citybikes

Leihsystem

  • Persönliche OV-chipkaart (wiederaufladbare ÖPNV Karte)
Schwächen

  • Rundlaufsystem
  • Registrierung ohne Adresse und Bankkonto in Niederlanden nicht möglich
Stärken

  • Hohe Verfügbarkeit besonders bei den ÖPNV-Stationen
  • meist überdachte Stationen / Fahrradgaragen
Besonderheiten

  • Keine Bremse / Schaltung am Lenker; nur Rücktrittbremse
App & Betreiber

OV-fiets – https://www.ns.nl/en/door-to-door/ov-fiets
Teil des Bikesharing der Niederländischen Bahn (Nederlandse Spoorwegen)

Kosten

4,80 pro Tag; nach 3 Tagen mit dem gleichen Rad 9,80 Euro pro Tag; max 7
Tage pro Radleihe
Rückgabe an anderer Station: 10 Euro

Fazit

Am Anfang ungewohnt und leicht überfordernd durch hohen Radverkehr; nach kurzer Eingewöhnung schwimmt man mit dem Flow mit und kann die guten Radwege genießen! Achtung: Manchmal wird man von Mopeds überholt. Trotz zahlreicher Radabstellmöglichkeiten ist es schwierig, einen freien Platz zum Absperren des Rades zu finden.

 
Geführte Stadtradfahrten
www.getyourguide.com

Alle Citybike-Leihsysteme
bikesharingworldmap.com