How to: Einen Pop-Up-Radweg organisieren
Kurzfristig von Auto- zu Radstreifen „umgewidmete“ Fahrstreifen demonstrieren eindrücklich, wie Verkehrsflächen gerechter aufteilbar wären. Sie sorgen für Aufmerksamkeit und regen Diskussionen an. Sie – als Kundgebung angemeldet und für kurze Zeit – einzurichten, ist keine Raketenwissenschaft: hier die Anleitung
CHECKLIST: Philipp Schober
Foto: Peter Provaznik
(Im Bild: Radlobby-Aktion auf der Linken Wienzeile)
1. Finde die Lücke!
Egal ob Hauptverkehrsstraße ohne Radweg, enges Nadelöhr, Auto-Fahrspur-Übermaß neben einer superengen Rad-Geh-Kombi: Stadtbekannte Problemstellen gibt es zur Genüge.
2. Trenne richtig!
Leitkegel, Teppich oder Teddybären? Kreativität ist wichtig, Sicherheit aber erstes Gebot: An Straßen mit Schwerverkehr sind große Kegel unverzichtbar. Anderswo reicht eventuell ein roter Teppich. Oder Stofftiere: Niemand überrollt absichtlich Teddybären. Schon gar nicht vor Kindern.
3. Sei pünktlich!
Wer bemerkt werden will, braucht Aufmerksamkeit und Publikum. Am meisten bekommt man davon während der Rush-Hour, zwischen 16 und 18 Uhr. Und: Nein, es gibt kein zweitbestes Zeitfenster.
4. Stay legit!
Trotz Versammlungsfreiheit muss man Kundgebungen mindestens drei Tage vorab anmelden. Polizei-Vorbesprechungen dienen da – auch – der Sicherheit.
5. Who is Who?
Verteilt Aufgaben und Rollen präzise: Wer spricht mit der Behörde? Wer mit Medien? Wer dokumentiert? Wer baut auf (und ab)? Wer verteilt Info-Material?
6. Kommuniziere!
Über „klassische“ und soziale Medien erreicht man mehr Menschen als vor Ort. Öffentlichkeitsarbeit beginnt Tage (oft Wochen) vor einer Aktion – und endet nicht mit ihr. Wer Publikum außerhalb der eigenen „Bubble“ erreichen will, muss kurz, knapp und verständlich kommunizieren. Wer Vorkenntnisse voraussetzt, langweilt oder „Fachjargon“ spricht, erreicht es nicht.
7. Bleib dran!
Ein langer Atem ist wichtig, sonst ist Frust vorprogrammiert. Ein Beispiel? Der neue Radweg am Wiener Neubaugürtel. Ein Erfolg der Radlobby. Was heute aber niemanden mehr interessiert: Wir haben 15 Jahre dafür gekämpft. Dort etliche Aktionen lanciert. Nun ist der Radweg da – und die Politik lobt sich selbst dafür. Doch was zählt – das Ergebnis: von temporär zu fix.
