Wenn die ÖBB Schiene durch Ersatzbus ersetzen muss, ist meist Schluss mit Radtransport. Auch frühzeitige Planungsversuche helfen da nicht weiter, wie das In Velo Veritas-Wochenende dem Veranstalter und den TeilnehmerInnen gezeigt hat. Ein Erfahrungsbericht von Martin Friedl, einem der Mitorganisatoren der In Velo Veritas, der Retro-Radrundfahrt auf alten Stahlrädern im Weinviertel


Samstag Nachmittag am Bahnhof Stockerau. Eine Gruppe von zwölf Radlerinnen und Radlern entsteigt dem Regional Express und schiebt die schönen klassischen Rennräder zum Schienenersatzbus Richtung Hollabrunn. Schienenersatzbus? Weil der Sommer genutzt wird, den Schienenstrang zu sanieren, verkehren keine Züge. Sanierung muss sein, unangenehm für den Fahrgast, aber nicht unverständlich.

Beim Schienenersatzbus angekommen werden die fröhlichen Radlerinnen und Radler in ihren bunten Wolltrikots freudig begrüßt vom Busfahrer: „Na, des schau i ma an, wie es heit mit die Radeln noch Hollabrunn kummts“. Was der Busfahrer weiß: ER nimmt kein einziges Fahrrad mit. Was der Busfahrer nicht weiß? Der Veranstalter von In Velo Veritas hat vorgesorgt, einen Lieferwagen geschickt, um die Räder der Teilnehmenden hinter dem Schienenersatzbus nach Hollabrunn zu transportieren. Das Staunen des Busfahrers ist grenzenlos.

Radtransport im großen Stil

Ein privater Veranstalter organisiert also Radtransport im großen Stil, mehrere Fahrten an mehreren Tagen, damit alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer möglichst doch noch öffentlich anreisen können. Soll man doch, Bahn fahren. Wünschen sich ja alle: Klima schonen. Will ja niemand: noch ein Auto, das Lärm bis zum Horizont des schönen Weinviertels verbreitet.

Also hat sich besagter Veranstalter frühzeitig an die ÖBB gewandt, ob man nicht, nur an diesem Tag, ausnahmsweise, man würde das auch bezahlen, einen Rad-Transport organisieren könnte. Konnte man natürlich nicht, denn: „Bei Beigabe eines Anhängers für den Fahrradtransport würden durch die Verladung der Räder die eng bemessenen Fahrzeiten der Busse so weit überschritten, dass sie ihre Anschlusszüge nicht erreichen könnten.

Radregion abgeschnitten vom öffentlichen Verkehr

Das ist natürlich blöd, Zeitüberschreitung will man nicht im Fahrplan, verstehen wir. Wir haben es jedenfalls problemslos geschafft jeweils zwölf Räder zu verladen, ohne dass der Schienenersatzbus hätte warten müssen, geht doch. Wenn man will. Man will aber nicht. So ist das nördliche Weinviertel (also Hollabrunn und Retz) während eines ganzen Sommers nicht erreichbar für Radlerinnen und Radler, die öffentlich anreisen wollen. Auch der Tourismusverband schäumt, wie man hört, denn seit Jahren positioniert man sich als Radregion, und dann ist man ausgerechnet in dem Sommer, in dem Herr und Frau Österreicher mal Urlaub in der näheren Umgebung machen wollen, abgeschnitten von den Radtouristen.

Link

Inveloveritas.at

Aus der Korrespondenz mit den ÖBB

„Es ist grundsätzlich sehr erfreulich, dass Sie bei der Wahl Ihres Ortes die Erreichbarkeit per Bahn mit in Betracht gezogen haben. In diesem Falle dürften wir allerdings an die Grenzen der Kapazitäten gestoßen sein.
Bei größeren Bauarbeiten unserer Infrastruktur wird möglichst versucht, diese in Ferienzeiten anzuberaumen. Eine Beeinträchtigung des Bahnverkehrs für PendlerInnen und SchülerInnen wird damit so gering wie möglich gehalten. Die während der Bauzeit eingerichteten Schienenersatzverkehre mit Autobussen werden aus logistischen Gründen ohne die Beförderung von Fahrrädern vorgesehen. Bei Beigabe eines Anhängers für den Fahrradtransport würden durch die Verladung der Räder die eng bemessenen Fahrzeiten der Busse so weit überschritten, dass sie ihre Anschlusszüge nicht erreichen könnten. Und in den Zuggarnituren findet je nach Bauart meist nur etwa ein Dutzend Fahrräder Platz.“