Warum hat eigentlich noch niemand ein flugtüchtiges Mountainbike mit Flutlicht-Scheinwerfern erfunden? Es wäre das perfekte Fahrrad für Hamburger Radwege.

Von: Ruth Eisenreich.

Entlang der Holstenstraße zum Beispiel, einer Hauptverkehrsachse, die von der Reeperbahn aus den Stadtteil Altona durchquert: Dort könnte man damit nicht nur den ersten Teil der Strecke sicher bewältigen, wo das, was hier Radweg heißt, sich vor allem durch Schlaglöcher, Baumwurzeln, fehlende Bodenplatten und völlige Dunkelheit auszeichnet; sondern auch die Teilstrecke weiter nördlich, wo ein schöner, breiter Radweg meist von illegal parkenden Autos in Beschlag genommen wird.

Hamburg: kauptte Radwege

Radwegparken ist ohnehin mindestens so sehr Teil des Hamburger Kulturerbes wie Franzbrötchen, Astra und der Hafen. Und so kaputt wie der Bodenbelag der Radwege ist auch das Miteinander im Verkehr: Radfahrende, die Autofahrenden gegenüber nicht das Recht des Stärkeren gelten lassen, müssen sich auf Beschimpfungen der derbsten Art gefasst machen. Viele weichen auf Gehwege aus, nicht immer rücksichtsvoll.

Originell ist, wie vielerorts Radwege gekennzeichnet werden – gar nicht nämlich, jedenfalls nicht mit Piktogrammen. Als Neuling in der Stadt kann es dauern, bis man versteht: Der Teil des Gehsteigs mit dem roten, extra rauen Bodenbelag, das ist der für Radfahrende vorgesehene Platz.

Immerhin: Wo Radwege und -streifen neu gebaut werden, sind sie oft breit, klar markiert und durch genoppte Markierungen von Gehweg oder Fahrbahn getrennt. Im Jahr 2015 erklärte die rot-grüne Stadtregierung in ihrem Koalitionsvertrag, sie wolle Hamburg zur „Fahrradstadt“ machen, unter anderem durch den (Aus-)Bau von 180 Kilometern Velorouten bis Ende 2020. Ende 2019 waren dem Radlobbyverein ADFC zufolge gerade einmal 34 Kilometer davon fertiggestellt. Könnte also noch dauern, bis Radfahren in Hamburg auch ohne Flugrad Spaß macht.

 


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