DRAHTESEL-Filmkolumnistin Ines Ingerle bespricht "Ovarian Psycos". Die Dokumentation über eine Radfahrerinnen-Gang in Los Angeles wird am Mittwoch 18. Jänner um 21h kostenlos bei der Radlobby-Bikefilmnight im Schikaneder Kino (Wien 4) gezeigt.

FILMKRITIK: Ines Ingerle

Screenshot aus der Doku Ovarian Psychos

Screenshot aus der Doku Ovarian Psycos

East Side Los Angeles. Junge Frauen mit Bandanas im Gesicht radeln in Slow Motion auf die Kamera zu, sie heben ihre geballten Hände, dazu wird extradiegetisch der Song des Black Panthers Movement aus dem Jahr 1968 eingespielt – „Revolution has come, time to pick up the gun“. Das Bild hat etwas Bedrohliches, Kraftvolles – und es erinnert irgendwie an Szenen aus Wild-West Filmen, in denen Banditen auf ihren Pferden angreifen.

Wir haben es mit den „Ovarian Psycos“ zu tun, eine Latino-Fahrrad Brigade für „Frauen jeder Hautfarbe“, deren gemeinsame Radfahrten eine Art Guerilla-Theater darstellen. Indem sie vehement auf ihre Rechte pochen und die Straßen erobern sind sie quasi die direkten Nachkommen der feministischen und Chicano-Bewegungen der 1960er- und 1970er-Jahre. In der intimen Dokumentation dieses Kollektivs erfahren wir, warum die „Ovas“, wie sie sich nennen, in ihrem „Do it yourself“-Aktivismus Bestimmung und Trost finden, warum Missbrauch so ein großes Thema ist, warum viele der Frauen Traumata zu überwinden haben. Die Regisseurinnen Joanna Sokolowski und Kate Trumbull-Lavelle zeigen uns überzeugende, authentische Charaktere und erforschen die komplexen Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern, Tradition und Unabhängigkeit.

Dokumentation, USA (72 Minuten)
Regie: Joanna Sokolowski, Kate Trumbull-LaValle
Kamera: Michael Raines
Schnitt: Victoria Chalk
Mit: Xela De La X, Andi Xoch, Joan “Zeta” Zamora, Evelyn Martinez

Der Film wird am 10. Dezember 2016 im Rahmen des “This Human World”-Filmfestivals und am Mittwoch 18. Jänner um 21h kostenlos bei der Radlobby-Bikefilmnight im Schikaneder Kino (Wien 4) gezeigt.